Angststörungen auf TikTok, Instagram & YouTube: wie seriös sind die Informationen?

Wer sich heute über psychische Gesundheit informieren möchte, stößt schnell auf TikTok, Instagram und You-Tube auch auf Beiträge zu Angststörungen und Panikattacken. Viele dieser Beiträge sind verständlich und gut gemeint. Doch wie verlässlich sind diese Informationen?

Die Qualität von Gesundheitsinformationen hängt nicht primär von den Plattformen ab, sondern, wer diese Informationen erstellt, auf welchen Quellen sie beruht und wie differenziert das Thema dargestellt wird.

Auf TikTok können auch Lai*innen psychologische Themen veröffentlichen. Diagnose-Videos von Lai*innen finden bei jungen, verletzlichen Gruppen mehr Anklang als jene von Professionist*nnen, obwohl letztere eine höhere Genauigkeit aufweisen. 

TikTok-Videos zur generalisierten Angststörung weisen eine sehr geringe inhaltliche Genauigkeit auf, d.h. sie sind entweder sehr ungenau und oberflächlich oder sogar fehlerhaft.  Oft gibt es keine genaue Differenzierung zwischen Angst als Emotion und dem klinischen Störungsbild der Angststörung. Wichtige diagnostische Kriterien wie Dauer, beeinträchtigte Funktionsfähigkeit, klinisch bedeutsamer Leidensdruck fehlen meistens. Fehlinformationen erhöhen aber das Risiko für falsche Selbstdiagnosen, durch die man mehr verunsichert wird. Die professionelle Diagnose einer klinischen Psychologin kann dagegen Sicherheit geben und als Grundlage einer zielgerichteten Behandlung dienen.

Was kann Social Media bei Angststörungen leisten?

Social Media kann die psychische Erkrankung sichtbar machen, Erfahrungen teilen und Hemmschwellen gegenüber psychischer Gesundheit reduzieren. Soziale Medien sind auch eine Möglichkeit für Information, Aufklärung, Erfahrungsberichte und Austausch.

Du kannst dort ebenso Hinweise auf professionelle Hilfsangebote erhalten.

Nutze Social Media, um Fragen zu entwickeln und für einen ersten Überblick. Für eine individuelle Einschätzung braucht es jedoch mehr als eine Checkliste oder einen kurzen Clip.

Was sind die Risiken von Mental-Health-Inhalten?

Die Informationsqualität zu Angststörungen auf TikTok und Instagram ist oft irreführend und hat eine noch geringere Genauigkeit als auf You-tube. Oft werden falsche Behandlungsempfehlungen gegeben, und du findest „Symptom-Checklisten“ ohne fachlichen Kontext. Das kann zu Angstverstärkung beitragen.

Nicht alles, was professionell klingt, ist auch fachlich fundiert. Bei psychologischen Inhalten lohnt es sich, genauer hinzusehen:

  • Wer erstellt den Inhalt und welche fachliche Qualifikation liegt vor?
  • Werden wissenschaftliche Quellen genannt?
  • Wird zwischen persönlicher Erfahrung und fachlicher Information unterschieden?
  • Werden schnelle Diagnosen oder einfache Lösungen versprochen?

„Habe ich eine Angststörung?“ – wenn Social Media zur Selbstdiagnose verleitet

Nach Angaben der WHO zählen Angststörungen zu den psychischen Erkrankungen, die weltweit am häufigsten auftreten. Soziale Medien unterscheiden nur mangelhaft zwischen Angst und Angststörungen. 

  • Während Angstzustände, Nervosität, körperliche Anspannung bei allen Menschen auftreten können, 
  • sind Angststörungen eine psychische Erkrankung, die durch anhaltende Angst und beeinträchtigte Funktionsfähigkeit gekennzeichnet ist. 

Die generalisierte Angststörung ist die am häufigsten auftretende Form: sie äußert sich durch anhaltende und übermäßige Angst vor alltäglichen Aktivitäten und Ereignissen. Entscheidend sind die Dauer, Intensität, Häufigkeit und die Frage, wie sehr diese Beschwerden den Alltag und die Lebensqualität beeinträchtigen.

Genau diese Differenzierung fehlt in vielen Social-Media-Beiträgen. Ein Video wie „7 Anzeichen, dass du eine Angststörung hast“ kann dazu führen, dass man sich in mehreren Punkten wiedererkennt. Das bedeutet jedoch noch keine Diagnose.

Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll?

Wenn Ängste immer wieder auftreten, bestimmte Situationen zunehmend vermieden werden oder die Lebensqualität darunter leidet, kann eine klinisch-psychologische Abklärung sinnvoll sein.

Das gilt auch dann, wenn Unsicherheit besteht, ob die Beschwerden überhaupt zu einer Angststörung passen. Gemeinsam lässt sich besser einordnen, was hinter den Beschwerden steckt und welche Unterstützung hilfreich sein könnte.

Wenn Sie in Wien nach Informationen zu Angststörungen oder klinisch-psychologischer Unterstützung suchen, kann ein persönliches Gespräch eine hilfreiche Ergänzung zur Recherche im Internet sein.


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